Doch wie sieht sie aus, die Stadt der Zukunft?

Das ist keine Frage, die einfach zu beantworten ist. Viele kluge Köpfe machen sich dazu schon seit jeher Gedanken, immer wieder gibt es neue Theorien. Die ehrliche Antwort auf diese Frage ist: Niemand weiß es so genau. Doch es gibt Tendenzen und Richtungen, in die sich die Entwicklung der Städte gestaltet.

Klimaresilienz

Die letzten Sommer waren die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen und auch die Schneetage im Winter sind rückläufig. Obwohl es über längere Zeiträume recht trocken ist, mehren sich die Starkregenereignisse. Überschwemmungen sind die Folge. Die Stadt der Zukunft passt sich den geänderten Anforderungen, die der Klimawandel an die Stadt stellt, an: Belüftungsschneisen, die kühlere Luft aus dem Umland in die Stadt bringen, Teiche und Wasserspiele, die lokal die Umgebungsluft durch Verdunstungskälte kühlen, Versickerungsflächen, die den Regen aufnehmen. Ein Projekt, wie der Umbau zu einer klimaresillienteren Stadt mit Bürgerbeteiligung aussehen kann, ist das Projekt iResilience in den Städten Köln und Dortmund.

Münster Hauptbahnhof - Wie sieht sie aus, die nachhaltige Mobilität in der Stadt der Zukunft?
Münster Hauptbahnhof - Wie sieht sie aus, die nachhaltige Mobilität in der Stadt der Zukunft?

Nachhaltigkeit

Unser Lebensstil muss nachhaltiger werden, wenn wir dem Klimawandel entgegentreten wollen. Doch ist unser Lebensstil sehr von unserer gebauten Umwelt geprägt: Menschen gehen mehr zu Fuß, wenn die Umgebung für Fußgänger*innen attraktiv ist: Pflanzen und Sitzmöglichkeiten am Straßenrand, ansprechende Fassaden und wenig motorisierter Verkehr. Wie eine zukunftsfähige Fahrrad-Infrastruktur aussehen kann, verrät ein Blick in die Niederlande: Die Stadt Houten gilt oft als Vorreiter-Stadt, die das Rad konsequent dem Auto vorzieht. Aber auch andere Städte sind auf einem guten Weg: In der Stadt Utrecht steht z.B. das größte Fahrrad-Parkhaus der Welt.
Nachhaltigkeit heißt für uns Stadtplaner: Den Stadtraum aus der Perspektive von Fußgänger*innen und Radfaher*innen zu betrachten, Wege möglichst kurz zu halten und sie dennoch abwechslungsreich und interessant zu gestalten.

Digitalisierung

Eine der Theorien, wie sich Digitalisierung auf die Städte auswirken wird, stammt von Manuel Castells. Verfasst wurde sie 1989 und beschreibt vereinfacht gesagt, dass es sowohl den “Space of flows”, als auch den “Space of places” gibt. Im Gegensatz zur gebauten, materiellen Umwelt, die Castells unter “Space of places” zusammengefasst, geht es beim “Space of flows” um das Immaterielle: Die Verbindungen zwischen Städten, die das Internet möglich gemacht hat. Dadurch sind Menschen nicht nur zu den Menschen in ihrer unmittelbaren Nähe verbunden, sondern auch zu den Menschen, zu denen sie digital Kontakt halten. Das bedeutet, dass Menschen z.B. durch die Möglichkeit im Homeoffice zu arbeiten, für Firmen arbeiten können, die erheblich weit weg sind, ohne umzuziehen.

Gentrifizierung und Segregation

Immer öfter hört man “der Stadtteil ist schon durchgentrifiziert”, was damit gemeint ist: Es ist kaum noch Wohnraum für Menschen mit (unter-) durchschnittlichem Einkommen übrig, die mit Graffiti und Stickern verschönerten Fassaden mussten weichen und statt Döner und Pizza auf die Hand eröffnet eine Speciality Coffee Roastery und eine Green-Smoothie-Bar.
Das ist vielleicht etwas überspitzt formuliert, veranschaulicht die Phänomene Gentrifizierung und Segregation doch ganz pointiert: Gentrifizierung, das ist der Prozess in dem Stadtviertel erst von Menschen mit hohem sozialen und kulturellen Kapital aufgewertet werden, um dann von denen mit finanziellen Kapital verdrängt zu werden. Und Segregation, also die Konzentration von bestimmten Bevölkerungsgruppen - das sind beides Prozesse, die wir heute schon beobachten, die jedoch den Städten das nehmen, was sie lebenswert macht: Die Vielfalt der Menschen, der Gastronomie und der Fassaden.

Sowohl der Klimawandel als auch die Gentrifizierung sind schon lange bekannte Probleme unserer Städte. Bisher konnten wir ihnen recht wenig entgegen setzen. Vielleicht sind wir jetzt soweit, dass wir mit technischen Hilfsmitteln die Transformation unserer Städte zu sozialeren und nachhaltigeren Städten schaffen.