Was geht App? Möglichkeiten digitaler Partizipation

“Viele Köche verderben den Brei” - so sagt der Volksmund. Doch das ist bei urbanen Partizipationsprojekten nicht der Fall. Hier sollte das Sprichwort eher lauten “Viele Köche verfeinern den Brei.” Denn je mehr unterschiedliche Menschen sich einbringen können, desto mehr Informationen können berücksichtigt und desto vielfältiger und innovativer werden die Ergebnisse. Doch klassische Bürgerbeteiligung sieht oft so aus, dass Menschen vor Ort sein müssen: Vorträge, Stellungnahmen mit Post-Its auf Stellwände geklebt. Diese Art der Beteiligung hat durchaus ihren Stellenwert, doch ist hier Beteiligung oft sehr punktuell an ein geplantes Projekt gebunden. Darüber hinaus schließt Vor-Ort-Beteiligung all diejenigen aus, die daran nicht teilnehmen können, sei es, weil sie zu der Zeit arbeiten, Care-Arbeit verrichten oder in ihrer Mobilität eingeschränkt sind.  Und es scheint, besonders eine Zielgruppe anzuziehen: Die gut gebildete Mittelschicht. Viele Köche - aber eher viele ähnliche Köche. Doch wie kann Partizipation diverser werden?

 

Digitale Partizipation ist nicht das Allheilmittel

Digitale Partizipation ist nicht das Allheilmittel, doch es kann dazu beitragen, dass eine fortlaufende Beteiligung erreicht wird und dass Menschen, die nicht zu klassischen Beteiligungsverfahren erscheinen können, sich auch einbringen können. Selbstredend schließt auch digitale Partizipation wieder Personengruppen aus. Das Stichwort ist Digital Divide - all die Menschen, die nicht mit digitalen Werkzeugen umgehen können oder kein besitzen. Sei es, weil sie damit nicht aufgewachsen sind oder sie es sich schlichtweg nicht leisten können.
Doch heute gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, Menschen digital mit einzubeziehen: Von schlichter Information bis hin zum Dialog ist alles möglich. Dabei ist der Aufwand, der betrieben werden muss, sehr unterschiedlich.

 

Zwischen Instagram und digitaler Abstimmung

Viele Städte und Kommunen nutzen bereits Instagram, um Informationen besonders an ein jüngeres Publikum zu kommunizieren. Wuppertal, z.B. hat mit dem Account “Talbeteiligung” einen bunten und informativen Account geschaffen. Schöne Fotos und Informationen zu “allem, was mit Wasser zu tun hat”, findet man im Account vom Wupperverband.  Beides gute Beispiele für zeitgemäße Information.
Denkbar ist auch ein Social Media Monitoring, wie es in der freien Wirtschaft bereits üblich ist:  Mit der Hilfe verschiedener Dienste kann man z.B. immer darüber benachrichtigt werden, wenn jemand etwas zum Thema “Köln” schreibt. Um die Spreu vom Weizen zu trennen, baut die isländische Citizens Foundation gerade an einem selbstlernenden Open-Source-Monitoring-Werkzeug, das am Ende nur noch relevante Beiträge liefert.
Ein weiteres Open-Source-Projekt der Citizens Foundation ist Better Reykjavik, mit dessen Hilfe Anregungen von Bürgern gesammelt, diskutiert und von ihnen priorisiert werden können. So erhält die Stadt Reykjavijḱ nach jeder Partizipations-Phase eine priorisierte Liste mit Pro- und Contra-Argumenten der Bürger*innen. Da das Werkzeug Open Source ist, kann es nicht nur ohne Lizenzkosten genutzt, sondern es kann auch an die eigenen Gegebenheiten angepasst werden. Eine weitere Möglichkeit, die sich primär an Kinder und Jugendliche richtet, ist die Plattform opin.me, wo Ideen diskutiert und bewertet werden können.
Große Beliebtheit besonders in der Beteiligung von Jugendlichen hat das Programm Minecraft erlangt - es ist quasi ein digitales Lego-Spiel: Mit Hilfe von rechteckigen Blocks können Häuser und ganze Städte gebaut werden - der große Minecraft-Hype ist vorbei, doch erfreut sich das Spiel weiterhin großer Beliebtheit.

 

Digitale Partizipation ist vielfältig

All diese Beispiele sollen zeigen: Es gibt sie - die vielfältigen Möglichkeiten, Menschen digital teilhaben zu lassen, sie nicht nur zu informieren, sondern sie auch zu konsultieren.
Es lohnt sich, über den Tellerrand zu blicken und besonders international die Augen auf zu halten.

Falls Sie bereits eine Idee haben, wie digitale Partizipation bei Ihnen aussehen kann oder falls Sie noch mehr Inspiration brauchen - lassen Sie uns sprechen!