Gemeinschaft (digital) fördern

Die Corona-Pandemie hält die Welt immer noch in Atem: Der persönliche Kontakt ist eingeschränkt, Reisen nur bedingt möglich und es herrscht eine große Unsicherheit, was die Zukunft betrifft. Wie ein Brennglas konzentriert die Pandemie die Probleme unserer aktuellen Lebensweise: Straßen sind zu eng, um als Fußgänger genügend Abstand zu halten, Menschen, die in den “helfenden” Professionen arbeiten, zu schlecht bezahlt und, dank einer zu dünnen Personaldecke, überarbeitet, und Videokonferenzen und andere digitale Möglichkeiten zu wenig verbreitet. Dennoch, oder gerade deshalb, ist es wichtig jetzt Gemeinschaft und Solidarität zu fördern.

Doch was ist überhaupt Gemeinschaft?

Die Wikipedia definiert Gemeinschaft so: “Gemeinschaft (von „gemein, Gemeinsamkeit“) bezeichnet in der Soziologie und der Ethnologie (Völkerkunde) eine überschaubare soziale Gruppe (beispielsweise eine Familie, Gemeinde, Wildbeuter-Horde, einen Clan oder Freundeskreis), deren Mitglieder durch ein starkes „Wir-Gefühl“ eng miteinander verbunden sind – oftmals über Generationen. Die Gemeinschaft gilt als ursprünglichste Form des Zusammenlebens und als Grundelement der Gesellschaft (siehe auch Urgesellschaft).”  https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinschaft
Die Kernelemente scheinen zu sein: Überschaubare Gruppe, Wir-Gefühl, Grundelement der Gesellschaft. Eine starke Gemeinschaft fördert die Resilienz eines Systems, weil sich z.B. gegenseitig in schwierigen Situationen (wie z.B. als Einkaufshilfe in der Corona-Pandemie) geholfen werden kann.

Wie entsteht Gemeinschaft?

Menschen wollen sich in die Gemeinschaft einbringen, wollen mit anderen zusammenarbeiten und kooperieren. Die Kunst in der heutigen Zeit ist, die richtige Gemeinschaft zu finden. Ein Personenkreis, der eine gemeinsame Vision oder Ziele hat. Ein Kreis, in dem man sich gegenseitig hilft und etwas zusammen macht, etwas zusammen bewegt - sei es auch nur im Kleinen.

Prizren (Kosovo) von oben
Prizren (Kosovo) von oben

Wie kann man Gemeinschaft fördern?

  • Menschen zusammenbringen: Gemeinschaft entsteht, wenn Menschen etwas zusammen machen. Dazu müssen zunächst die richtigen Menschen zusammen gebracht werden, z.B. über ein digitales oder analoges Schwarzes Brett (“Suche/Biete”), über Nachbarschaftsforen wie nebenan.de oder lokale Facebook-Gruppen. Manche Stadtteile haben auch eigene selbstverwaltete E-Mail-Verteiler. Und dann gibt es noch die Netzwerker*innen - Personen, die Menschen zusammenbringen, miteinander bekannt machen. Vieles ist möglich und hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.
  • Menschen (digitale) Räume bieten: Gemeinschaft erfordert den direkten Kontakt von Menschen. Doch wo kann man sich treffen, wenn man sich nicht mehr im physischen Raum begegnen kann? Hier wird die Sache schon ziemlich kompliziert und verzwickt. Denn Möglichkeiten sich zu organisieren gibt es viele, sei es der Austausch in einer Facebook-Gruppe oder die Zusammenarbeit, über Etherpads oder über ein digitales Board. Die Möglichkeiten sind vielfältig.
  • Menschen aufmerksam machen auf bestehende Gemeinschaften: Die Königsdisziplin und eine wirklich harte Nuss, die es zu knacken gilt, ist: Wie kann ich Menschen auf digitale Gemeinschaften aufmerksam machen? Denn ich kann ja von außen nicht sehen, dass sich mein Viertel jetzt jeden Sonntag zur digitalen Yoga-Stunde trifft, außer, jemand erzählt es mir oder ich werde anderweitig darauf aufmerksam gemacht. Doch wie? Die Möglichkeiten sind auch hier vielfältig: Über Poster, Aushänge, Briefe, die persönliche Ansprache, wenn man sich doch mal im Hausflur trifft oder aber über kleine Irritationen im urbanen Raum (von mir Urbane Intervention genannt), wie z.B. das Aufstellen von Gegenständen, das Malen mit Sprühkreide - auch hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Das Wichtige ist, dass digitales und analoges zusammen gedacht und miteinander verknüpft wird. Dass immer wieder Brücken von der einen “Welt” in die andere “Welt” gebaut werden, damit beide Welten nicht nebeneinander her existieren, sondern voneinander profitieren.

 

Haben Sie konkrete Beispiele? Dann schreiben Sie mir unter hallo@bitsundbeton.de oder @bitsundbeton auf Twitter.