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Urbane Interventionen - So erreichen Sie Ihre Zielgruppe

Lange vor der Corona-Pandemie war ich auf einer Stadtentwicklungs-Konferenz. Die Vorträge waren spannend, das Essen ausgezeichnet und die Gespräche in den Pausen sehr inspirierend. Nach einem Vortrag, es ging um Smart Citys, durfte das Publikum Fragen stellen. Eine Frage beschäftigt mich auch noch Jahre später immer noch: Wie erreicht man junge Menschen, die keine Zeitung lesen? Wie erreicht man überhaupt Menschen, die sich für die Entwicklung der Stadt, in der sie wohnen, interessieren? Die motiviert sind? Die mitreden wollen?

In meiner Praxis haben sich Urbane Interventionen bewährt. Das sind kleine Veränderungen oder Aktionen im urbanen Raum. Das Ziel dabei ist, entweder ein Problembewusstsein bei der Zielgruppe zu wecken oder direkt zu zeigen, wie es anders gehen könnte. Gerade in Pandemie-Zeiten, wo viele Veranstaltungen nur noch online stattfinden, ist es umso wichtiger, auf sich aufmerksam zu machen, um so Teilnehmende für die eigenen Veranstaltungen zu akquirieren. Doch wie?

Den Diskurs über die Kinder(un)freundliche Stadt anregen

Während meines Studiums haben wir unter anderem ein Projekt in einem Stadtviertel, das wir auf seine Kinder(un)freundlichkeit untersuchen sollten. Auch war gewünscht einen Dialog über dieses Thema anzuregen. Nach einer aufmerksamen Begehung des Quartiers viel uns schnell auf: Hier wimmelt es nur von Verboten! Ballspielen verboten! Sich im Park aufhalten: Verboten! Kind-sein: Verboten! Wir sammelten Fotos von allen Verbotsschildern, die wir im Viertel finden konnten und stellten sie (ausgedruckt und foliert) auf einem Zentralen Platz aus - um so den Diskurs über die Kinder(un)freundlichkeit des Stadtviertels anzuregen.

Wäscheleine zwischen zwei Bäumen, auf der Gotos von Verbotsschildern aufgehängt sind.
Ausstellung zu Verbotsschildern im Quartier

Wie können Parkplätze alternativ genutzt werden?

In der Autogerechten Stadt ist viel Stadtraum für das Auto reserviert. Doch das muss nicht sein. Parkplätze können auch anders genutzt werden. Eine Möglichkeit, temporär und ohne großen Aufwand zu zeigen, wie es anders gehen könnte, sind die Wanderbäume. Das sind mobile Bäume, die auf Parkplätze gestellt werden. Mit Sitzelementen ausgestattet laden sie dazu ein, Platz zu nehmen und darüber nachzudenken, wie der Stadtraum genutzt werden soll.

Wanderbäume auf einem Parkplatz in Deutz
Wanderbäume stehen auf einem Parkplatz in Köln Deutz

Die Folgen des Klimawandels sichtbar machen

Der Klimawandel ist jetzt schon da. Die Sommer plagen uns mit Hitze-Rekorden und im Frühsommer laufen dank Starkregen vermehrt die Keller voll. Doch trotzdem erscheint für viele das Thema weit weg vom eigenen Alltag. Doch der Klimawandel geht uns alle an und wir können alle aktiv werden! Mit Hilfe von Kreidespray wurde in einer Urbanen Intervention sowohl auf die Hitze-Problematik als auch auf Starkregen-”Wetspots” aufmerksam gemacht:  Hitze-Hotspots wurden mit zum Teil lustigen Sprüchen markiert, bei Wetspots wurde der potentiell überflutungsgefährdete Bereich mit Farbe markiert. Flyer in den Briefkästen der Anwohnenden haben weiter Infos geliefert und die Aktion aufgeklärt.

Keidespray Aktion zum Thema Hitze
Kreidespray Aktion zum Thema Hitze in der Stadt

Das sind nur drei Beispiele, wie ein Prozess mehr Sichtbarkeit erlangen kann. Der Kreativität sind auch hier keine Grenzen gesetzt. Was sind Ihre Erfahrungen mit Urbanen Interventionen? Verraten Sie es auf Twitter @bitsundbeton oder per Mail an hallo@bitsundbeton.de